Donnerstag, 23. Juni 2011

19 Uhr

Kammergericht Berlin, Elßholzstr. 33, nahe U-Bhf. Kleistpark   

Plenarsaal             

Das Programm:

„ET.A.Hoffmann - der Komponist und seine musikalischen Freunde“


Willibald Gluck (1714-1787):
aus der Oper „Orpheus   und Eurydice“

Reigen seliger Geister (Soloflöte: Tobias Musche)
Arie: „Ach, ich habe sie verloren” (Martha Jordan, Mezzosopran)
Furientanz

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822):
Arien aus den Opern  „Die lustigen Musikanten“ und “Undine”:

1. Arie aus der Oper „Die lustigen Musikanten“   (Libretto von C.Brentano)
Es wandeln zum Glücke die Sterne die Bahn,
mit gütigem Blicke sehn alle uns an.
Die Jungfrau, die Süße, in himmlischen Reihn gibt
freundliche Grüße und strahlet so rein…“
(Carolina Dawabe- Valle , Sopran)

2. Duett Nr 8 aus “Undine”    (Libretto von Friedrich de la Motte-Fouque)
    Undine: „Was ist das? Meine Sinne schwinden! Meine Sinne schwanken!
    Irr wechseln mir, irr schweifen hier die treibenden Gedanken.
    Wer ist der fremde Mann am Brunnen dort?
    Ist er hinaufgestiegen vom heimlich klaren Ort,
    wo Wassergeister sich zusammenschmiegen,
    wo Well' in Silberklang und Helle zusammenrinnt, ein Rätsel fort und fort?
    Recht schaurig klingt mein Wort- kam er von da?“
    Berthalda: „Ha, ha, ha, ha - nimm Dich in Acht!”
   (Carolina Dawabe- Valle , Sopran; Martha Jordan, Mezzosopran)

3. Duettino Nr.9: „Rauscht, ihr grünen Bäume feiernd durch die Nacht.
    Bald sind goldne Träume, goldner Tag erwacht.“
    (Carolina Dawabe- Valle , Sopran; Martha Jordan, Mezzosopran)

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Sinfonie g-Moll, 1.Satz Allegro


------Pause-----


Nino Rota (1911-1979):
Konzert für Streichorchester

daraus: Preludio- Allegro moderato

Jaques Offenbach (1819-1880):
aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“

Arie der Olympia (Carolina Dawabe- Valle , Sopran)

Duett: Barcarole            
        („Schöne Nacht, du Liebesnacht, erfülle mein Verlangen...“)
(Carolina Dawabe- Valle , Sopran; Martha Jordan, Mezzosopran)  

Giacoma Puccini (1858-1924)
aus der Oper „Gianni Schicchi“
Arie: „O mio babbino caro “ (Carolina Dawabe- Valle , Sopran)

Karl Jenkins (1944-)   
“Palladio”

daraus:  Allegro  (Soloviolinen: Kerstin Beckmann , Tanja Porstmann)

Zu den Werken: (Text: Dinah Backhaus, Matthias Wildenhof)
Die Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck (1714-1787) war das wichtigste Beispiel der Opernreform in der Mitte des 18. Jahrhunderts. In der Wiener Fassung wurde sie im Jahre  1762 uraufgeführt, als Pariser Fassung 1774. Hier wird das Geschehen um den antiken Sänger Orpheus in packenden dramatischen Linien dargestellt. Die gegensätzlichen Bereiche der Unterwelt, einerseits die Heiterkeit des Elysiums, der Gefilde der Seligen, in denen Orpheus auf der Suche nach Eurydike umherirrt, und andererseits die tobenden Furien in der Hölle zeigen die Pole extremen Ausdrucks des Komponisten. Im Elysium herrscht harmonische Klarheit der Melodie vor, im Furientanz gibt es wild rasende Sechzehntelfiguren mit heftigen Akzenten, die dem Hörer zu Leibe rücken und ihn bedrängen.  Dieser oft dämonische und wilde Ausdruck faszinierte  E.T.A. Hoffmann, der  seine mit 31 Jahren erste veröffentlichte Erzählung „Ritter Gluck“ als eine Art Verbeugung vor dem verehrten  Komponisten gestaltet.
In den Arien von E.T.A. Hoffmann (1776-1822) gibt es viele liedhafte, lyrische Stellen, die stark an Mozart erinnern. Während  Hoffmanns literarische Texte eher auf die Epoche der Romantik und die abgründigen Nachtseiten des Menschen verweisen, zeigt er uns in seiner ersten Arie eher einen ausgeglicheneren, an der Klassik orientierten Stil. Er bewunderte besonders Haydn, Mozart und Beethoven und würdigte sie in vorher nie dagewesener Weise wortreich und begeistert in langen Zeitungsartikeln. Durch seine berühmten Zeitungsrezensionen gilt er bis heute als einer der Begründer der romantischen Musikästhetik sowie als wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung der  Musikkritik im Bereich der Printmedien.
In der 2. Arie aus der „Undine“ gelingen ihm bei der Darstellung der Wassernixe Undine mit seinen  „irr und hoffmannesk“ hereinberechendem Tremoli auch dramatische und romantische Passagen, die schon bei Carl Maria von Weber größte Bewunderung auslösten.
W.A. Mozart (1756-1791), wurde von E.T.A.Hoffmann  derart glühend verehrt, dass er seinen zweiten  Vornamen „Wilhelm“ in „Amadeus“ umänderte.  Der erste Satz der sogenannten „kleinen“ g-moll-Sinfonie , die Mozart 1773 mit 17 Jahren komponiert hat, ist mit seinem aufbegehrend rebellischen Gestus ein typisches Sturm-und-Drang-Werk voller jugendlicher Leidenschaft und insofern gut passend zu dem vorausgehenden Furientanz. E.T.A. Hoffmann schätzte bei Mozart gerade solche leidenschaftlichen und geisterhaften Stücke und bezog sich in seinen Rezensionen häufig auf entsprechende Stellen aus der Oper „Die Zauberflöte“ und die berühmte Friedhofs- bzw. Geisterszene aus dem 3. Akt der Oper „Don Giovanni“, der er auch seine Erzählung „Don Juan“ gewidmet hat.
Der Italiener Nino Rota  (1911-1979) ist vor allem als Filmmusik-Komponist bekannt (er schrieb u.a. Musik für Viscontis „Der Leopard“, Fellinis „La Strada“ und Coppolas „Der Pate“), komponierte daneben aber auch einige nicht an Filme gebundene Werke für den Konzertsaal wie das „Konzert für Streicher“ von 1964/65. Er konnte sich dabei von den durch Filmschnitt und Szenen vorgebenen Zwängen befreien und seine Fähigkeit nutzen, mit Musik große Gefühle zu erzählen.
Im 1. Satz „Preludio“ lässt Rota eine ausdrucksvolle wehmütige Melodie durch alle Instrumentengruppen wandern; dabei ist sein Stil zunächst spätromantisch und  voll aufgeladener Harmonien wie bei Gustav Mahler.
Im Mittelteil klingt es dann aufgeregter und dissonanter, als würde ein romantischer Europäer in einer Großstadt wie New York landen und sich dort hoffnungslos einsam und voll unstillbarer Sehnsucht nach seiner Heimat sehnen… Diese Vorstellung war jedenfalls unser ganz persönlicher Zugang und Interpretations- Ansatz bei der Arbeit an diesem Stück.   
Die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach (1819-1880) vereinigt mehrere Geschichten von E.T.A.Hoffmann zu einem Gesamtwerk, das mit der Musik von J.Offenbach sehr populär wurde. Die Arie der „Olympia“ nimmt Bezug auf eine von E.T.A. Hoffmanns berühmtesten Erzählungen, „Der Sandmann“. Hier geht es um Hoffmanns Interesse an menschenähnlichen Automaten oder Robotern, das  ihn zu einem Visionär  unserer Zeit werden lässt.  
In der Geschichte verliebt sich ein Student in eine kunstvolle, täuschend echt konstruierte Automaten-Puppe namens Olympia, die sogar äußerst virtuos singen kann- solange sie aufgezogen wird….
In der Barcarole geht es um eine Kurtisane Giuletta in Venedig. Die sich auf dem Wasser wiegenden Gondeln und die sich brechenden Lichtstrahlen sind musikalisch in den gezupften Akkorden mit Flöte deutlich zu hören, während Text und ekstatische Melodik von einer rauschenden  Liebesnacht erzählen..
Die berühmte Arie aus der Oper „Gianni Schicchi“ von Giacomo Puccini (1858-1924) verdeutlicht mit ihrem Belcanto-Schmelz die lebenslange unerfüllte Italien-Sehnsucht von E.T.A. Hoffmann.
Der walisische Komponist Karl Jenkins, (geb.1944), der seine Musikerkarriere als Keyboarder und Oboist in verschiedenen Jazzrock-Bands begann, widmete sein bekanntes Streicherstück „Palladio“ dem berühmten Renaissance-Architekten Andrea Palladio, der in Italien seine berühmten Villen errichtete.
Das Stück „Palladio“ entstand in den 80er-Jahren als Filmmusik zu einem Werbespot für Diamanten. Sowohl Einflüsse aus der Rockmusik als auch aus der amerikanischen „Minimal Music“ sind in diesem bekannten Neo-Barockstück erkennbar.
Wahrscheinlich hätte das Medium Film (für das die beiden  Komponisten Jenkins und Rota komponierten), den so universal tätigen E.T.A. Hoffmann heute begeistert und zu weiteren Gesamtkunstwerken inspiriert.
Die Mitwirkenden:
Carolina Dawabe-Valle (Sopran) studierte Gesang in Santiago de Chile.  2001 erlernte sie von Carlo Bergonzi an der Accademia Verdiana in Italien die Prinzipien des Belcantos.  2001 wurde sie 2. Preisträgerin beim Internationalen Gesangswettbewerb in Trujillo, Perú. In Berlin studierte sie Musikwissenschaft an der Humboldt Universität und hat an diversen Projekten an der Komischen Oper teilgenommen. Seit 2008 ist sie fest an Deutschen Oper Berlin engagiert. Weitere musikalische Tätigkeiten: zahlreiche Kirchenkonzerte und Oratorienauftritte, Liederabende und Rundfunkaufnahmen auf internationaler Ebene.
Martha Luise Jordan (Mezzosopran)  gewann erste  Preise beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert, erhielt  Stipendien der Hamel Stiftung Hannover und der Fricke Stiftung für Bildung und Kultur Köln. Seit 2008 studiert sie Gesang/Musiktheater bei Frau  Prof. Julie Kaufmann an der UdK Berlin. 2011 ist sie als Stipendiatin in die  Yehudi Menuhin Live Music Now, Berlin, e.V. aufgenommen worden.
Dinah Backhaus, geboren in Berlin, studierte Schulmusik, Germanistik und Hauptfach Violine an der HdK Berlin und nahm an Meisterkursen bei Andre Gertler, Sandor Vegh und Reinhard Goebel („Musica antiqua“) teil. Mitwirkung in: Quartett mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, „Basel Sinfonietta“, „Deutsches Kammerorchester“, “Ensemble Sanssouci“ und „Berliner Barock-Orchester“. Dirigierausbildung im Studium und Dirigierkurse. Seit 1985 Altistin im Ernst-Senff-Chor, der mit den bedeutendsten Dirigenten und Orchestern zusammenarbeitet. Seit 1998 Jurorin bei „Jugend musiziert“, von 1999-2009 Dozentin am Charlotte-Wolff-Kolleg (Erwachsenenbildung). Neben  ihrer Konzerttätigkeit leitet sie gemeinsam mit Matthias Wildenhof das E.T.A.-Hoffmann-Orchester.
Matthias Wildenhof, geboren in Berlin, studierte Schulmusik mit Hauptfach Violoncello (bei Prof. M.Nyikos) und Tonsatz an der UdK Berlin sowie Geographie an der FU Berlin. Vielfältige Tätigkeit als Cellist („RIAS-Jugendorchester“, Festspielorchester Bregenz, Festivalorchester Montepulciano u.a.). Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis und Barockcello, Konzerte mit diversen Alte-Musik-Ensembles (z.B. „Discorsi musicali“). Dirigierausbildung, Teilnahme an Dirigierkursen. Dozent für Tonsatz und Gehörbildung an Berliner Musikschulen. Seit 1998 Unterrichtstätigkeit im Fach Musik und Geographie am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Zehlendorf. An der Musikschule Charlottenburg-Wilmersdorf leitet er gemeinsam mit Dinah Backhaus das E.T.A.-Hoffmann-Orchester.
Das E.T.A.-Hoffmann-Kammerorchester wurde  von der Geigerin Dinah Backhaus und dem Cellisten Matthias Wildenhof gegründet
Ein Anliegen des Orchesters ist es, mit viel Enthusiasmus den Streicherklang in allen möglichen Klangnuancen bis in die Extreme hinein auszufeilen. Viel  Kreativität geht in das Formulieren von passenden  Vorstellungen für jede musikalische Phrase ein.
Das Ensember nennt sich „E.T.A.-Hoffmann-Kammerorchester“, weil dieser das Anliegen der Orchester-mitglieder verkörpert, sich neben dem Beruf musikalisch erfolgreich zu engagieren: Hoffmann arbeitete in Berlin tagsüber als Jurist und war in seiner „Freizeit“ nicht nur als Dichter, sondern auch als Musiker und Komponist erfolgreich.
Die Orchesterarbeit ist vielseitig: Schwerpunkte sind  das Entdecken selten gespielter Werke und die Aufführung der Werke E.T.A. Hoffmanns;  bisher wurden zwei  CDs eingespielt und live im Funk bei „Alte Musik“ vorgestellt.
Das Orchester konzertierte bisher überwiegend in Konzertsälen, Kirchen und Schlössern in Berlin und Umgebung. Konzerte in Rheinsberg, in der Heilig-Kreuz-Kirche, im Ballhaus Naunynstr., im Wissenschaftszentrum, Rathaus Charlottenburg und im Kammermusiksaal, der Phiharmonie und im Konzerthaus  sind nur einige Beispiele der  vielfältigen Konzertorte.
Erfolgreiche Konzertreisen führten nach Rügen, Dresden, in die Pfalz und nach Italien, Frankreich und Tschechien.
Im November 2007 nahm das Orchester am Landeswettbewerb des Deutschen Orchesterwettbewerbs teil und bekam mit dem Prädikat „hervorragend“ den 1. Preis. Daraufhin folgten Konzerte im Konzerthaus und in der Philharmonie (vor 2400 Zuhörern mit Innensenator und Polizeipräsidenten anlässlich der Vereidigung der Polizisten.).
2008 erhielt es beim Orchester-Wettbewerb auf  Bundesebene das Prädikat „Sehr gut“:
2010 folgten Konzerte im Kammermusiksaal und im März 2011 in der Gedächtniskirche.
Besetzung:
1.Violine: Kerstin Beckmann (Solo), Annette Blottner, Wolfgang Franke, Tatjana Schatz,    
           Frauke Wübben, Sanae Toyoda;  
2.Violine: Tanja Porstmann (Solo), Gesa Ellinghaus, Kathrin Fuld, Johanna Möckel,
                  Dariusz Blaskiewicz (als Gast), Birgit Eichstädt;
Viola: Martin Sahl, Stefano Macor (a.G.), Reiner Marks, Matthias Kohlhaus, Andreas Wagner;
Violoncello: Sabine Techritz, Kerstin Schütte, Frank Hoppe, Harald Kallmeyer;
Kontrabass: Siegmund Podbilski  (a.G.);
Flöte: Tobias Musche (Solo), Anni-Kathrein Faersch;
Oboe: Nikolaus Spoerel, Anne-Kathrin Martin;
Horn: Rene Wagenschütz;
Fagott: Norbert Haisch
Weiteres aus dem Programmheft:
Das Forum Recht und Kultur im Kammergericht
Text muss erst eingescannt werden.
Kammergericht Berlin
Elßholzstr. 30-31, 10781 Berlin

nahe U-Bhf. Kleistpark   

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