Sonntag, 08.07.2001, 19 Uhr

Heilig- Kreuz- Kirche Kreuzberg


PROGRAMM:


J. S. Bach (1685-1750):           Konzert für Oboe d'amore in A-Dur
                                                      Rekonstruiert nach BWV 1055

1. Satz ohne Bezeichnung
Larghetto
Allegro ma non tanto

Solist:      Andreas Wenske
Cembalo: Ulrich Lüdering



H.M. Gorecki (geb.1933):     „Drei Stücke im alten Stil“ von 1963
                                                         Ohne Satzbezeichnungen     


                                                              ______________________


Max Bruch (1838-1920)  : Klavierquintett g-moll (Orchesterfassung)
Allegro molto moderato
Adagio
Scherzo -Trio - Scherzo
Finale, Allegro agitato

Solistin: Vida Kalojanova



Das E.T.A.-Hoffmann-Kammerorchester
Einstudierung: Matthias Wildenhof, Leitung: Dinah Backhaus

Einführung zu dem Werk:
Johann Sebastian Bach (1685-1750) hat viele Klavierkonzerte hinterlassen, die eigentlich Bearbeitungen teils erhaltener, teils verschollener Violin- und Oboenkonzerte sind. Auch das heute erklingende Konzert für Oboe d'amore ist so in dieser Fassung nicht überliefert; es handelt sich um die Rekonstruktion eines Konzertes, das sich lediglich als Bearbeitung für Cembalo erhalten hat.
Der spezifische Klang der Oboe d`amore, die dunkler timbriert und von volle-rem Klang ist als die gewöhnliche Oboe, wird im Larghetto besonders deutlich; die fis-Moll Tonart und die klagenden Vorhalte geben dem  Satz den Ausdruck eines groß angelegten Lamentos (Klagegesanges) - in einer Besetzung mit Cembalo als Soloinstrument würde viel von der großen melodischen Wirkung verlorengehen. Die Ecksätze sind von sprühender und funkelnder Leichtgkeit.
Henryk Mikolaj Gorecki (geb.1933) gehört neben Penderecki zu den berühm-testen polnischen Komponisten nach dem 2. Weltkrieg. Kompositorisch suchte er einen eigenständigen Weg: zunächst setzte er sich mit der Avantgarde um 1960 auseinander, also mit Elektronischer Musik, Clustertechnik, Geräuschmusik etc. Dann versuchte er, diese modernen Kompositionstechniken mit einer ganz alten tonaler Klanglichkeit zu verbinden, die häufig von katholischer Mystik geprägt ist. So findet man in den „Drei Stücke im alten Stil“ (1963) sowohl clusterartige Klänge wie bei Ligeti, als auch eine modale Klangtechnik, die an mittelalterliche Kirchengesänge erinnert.
Im ersten Stück wird durch die dauernde Wiederholung eines Motivs eine meditative Wirkung erzielt, die vorausweist auf die „Neue Einfachheit“ der minimal music. Der zweite lebhafte Satz ist voller Vitalität und Schwung durch Wechsel vom 4/4 zum 3/4 Takt geprägt, die eine Art Schleudern verursachen. Im letzten Satz wird ein Kirchenchoral klanglich in ein merkwürdiges Licht getaucht und durch dissonante Klänge immer wieder als etwas Kostbares und Zerbrechliches in Frage gestellt.
Max Bruch (1838-1920) ist als Berliner Komponist zu Unrecht noch weitgehend unentdeckt geblieben. Er lebte als Professor für Komposition in Berlin-Friedenau. Bekannt wurde vor allem sein Violinkonzert. Begraben liegt er auf dem alten Matthäi-Friedhof in Schöneberg neben den Gebrüdern Grimm.
Heute hören Sie eine wirkliche Rarität von ihm: Sein Klavierquintett g-Moll hatte er auf Bitten für Freunde in Liverpool 1886 komponiert. Die Kammermusikfreunde mussten vier Jahre immer wieder betteln und mahnen, bis er auch endlich den noch fehlenden 4. Satz komponierte und nach England schickte. Das Werk lag dann bis 1988 unentdeckt als Autograph in der Berliner Staatsbibliothek und ist bis heute leider fast nie zu hören!
Der blühend-romantische Klangcharakter des Werkes eignet sich besonders für eine Fassung mit Streichorchester. Es fasziniert durch Originalität: der kirchenchorartige Beginn, das dahinhuschende Scherzo auf Mendelssohns Spuren, das schwelgerische Adagio und ein zupackendes Finale, wie aus einer Brahms-Sinfonie.                       (Dinah Backhaus)                                                       
Die Musiker (Orchesterbesetzung)
Die Orchesterbesetzung liegt leider nicht vor.
Solisten
Andreas Wenske (Oboe) wurde in Forst in der Lausitz geboren und begann seine musikalische Ausbildung an der Musikschule in Görlitz.  Später besuchte er die Spezialschule für Musik in Berlin, wo er dann anschließend an der Hanns-Eisler-Musikhochschule ein Oboenstudium bei Volkrnar Besser, Solooboist an der Staatskapelle, aufnahm.  Zur Zeit studiert Andreas Wenske in der Oboenklasse von Burkhard Glaetzner an der HdK Berlin.  
Er besuchte verschiedene Kurse u.a. auch für barocke Kammermusik bei Armin Thalheim an der Musikakademie in Rheinsberg.  Er wirkte in verschiedenen Karnmermusik-Ensembles und Orchestern wie RIAS-Jugendorchester und Deutsches Kammerorchester mit.  Konzertreisen führten ihn bisher in die Schweiz, nach Ungarn, Polen und Österreich.
Ulrich Lüdering (Cembalo): Einzelheiten liegen leider nicht vor.
Vida Kalojanova (Klavier) studierte an der Staatlichen Musikhochschule in Sofia und an der HdK Berlin (bei G. Puchelt) sowie in der Solistenklasse von H. Leygraf in Hannover.  Sie ist Preisträgerin von internationalen Klavierwettbewerben.  So gewann sie z.B. den 1.Preis in Middlesbrough (England) und den 3.Preis in Salerno (Italien).  Außerdem wurde sie beim "Concorso F. Busoni" in Italien sowie beim R. Schumann - Klavierwettbewerb in Zwickau mit Diplomen ausgezeichnet.  
Neben ihrer Zusammenarbeit mit dem Geiger W. Knorr im "Duo novarese" gibt sie Klavierabende mit breitgefächertem Repertoire, tritt als Solistin mit Orchestern auf, wie zuletzt in Kolumbien mit dem 1. Klavierkonzert von F. Liszt, und konzertiert als Kammermusikerin und Liedbegleiterin.  Vida Kalojanova ist Dozentin für Klavier an der HdK Berlin.
Dirigenten
Dinah Backhaus, geb. in Berlin, studierte Schulmusik, Germanistik und Hauptfach Violine an der HdK Berlin und nahm an Meisterkursen bei André Gertler, Sandor Vegh und Reinhard Goebel ("Musica antiqua") teil. Mitwirkung in: Quartett mit Berliner Philharmonikern, „Basel Sinfonietta", „Deutsches Kammer-Orchester", „Ensemble Sanssouci" und „Berliner Barock-Orchester".Dirigierausbildung im Studium und Dirigierkurse. Seit 1985 Altistin im Ernst-Senff-Chor, der mit den bedeutendsten Dirigenten und Orchestern zusammenarbeitet. Seit 1998 Jurorin bei „Jugend musiziert", seit 1999 Dozentin am Charlotte- Wolff- Kolleg (Erwachsenenbildung). Neben einer Konzerttätigkeit als Geigerin, Dirigentin und Altistin leitet sie gemeinsam mit M.Wildenhof das E.T.A.-Hoffmann-Orchester.
Matthias Wildenhof, geboren in Berlin, studierte Schulmusik mit Hauptfach Violoncello (bei Markus Nyikos) und Tonsatz an der HdK Berlin sowie Geographie. Vielfältige Tätigkeit als Cellist (RIAS-Jugendorchester, Festspielorchester Bregenz, Festival Montepulciano u.a.), Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis und Barockcello; Konzerte in diversen Alte-Musik-Ensembles. Dirigierausbildung im Studium, Teilnahme an Dirigierkursen. Dozent für Tonsatz und Gehörbildung. Seit 1998 Unterrichtstätigkeit im Fach Musik am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf. An der Musikschule Charlottenburg-Wilmersdorf leitet er zusammen mit D.Backhaus das E.T.A.-Hoffmann-Kammerorchester.
Heilig-Kreuz-Kirche Berlin- Kreuzberg

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